Jimi Blue Ochsenknecht.

Text: Marcel Heinen

Foto: Elmar Witt

Wir treffen Jimi Blue Ochsenknecht im Wormser Heylshofpark im Rahmen der Nibelungenfestspiele. Eine junge Frau lässt sich gerade mit ihm fotografieren, umarmt ihn erst schüchtern, dann mutiger. Ein paar Freudentränen sind auch im Spiel. Jimis Gesicht derweil wirkt absolut entspannt. Da ist nichts Herablassendes oder Genervtes. Der 26-Jährige gehörte vermutlich lange in die Kategorie jener deutschen Promis, wo sich die Diskrepanz zwischen öffentlichem Image und tatsächlicher Persönlichkeit mit am stärksten offenbarte. Jimi, der „Mittlere“ der Junior-Ochsenknechts, prominente Mutter, noch prominenterer Vater. Ein Leben in der Öffentlichkeit, praktisch schon vorprogrammiert. Der Sechsteiler „Die wilden Kerle“ machte ihn 2003 nicht nur über Nacht zum Schauspieler und Kinderstar, später zum Teenie-Idol und absoluten Mädchenschwarm. Für Jimi war es auch Kindheit, Pubertät und Erwachsen werden. Der sechste Teil der Bolzplatz-Saga lief 2016 in den deutschen Kinos. 

»Blue« nannten ihn seine Eltern, weil er bei der Geburt die Nabelschnur um den Hals gehabt haben soll. Für „Jimi“ ließ man sich von Jimi Hendrix inspirieren. Der gebürtige Münchner spielt fünf Instrumente, sein erstes Album »Mission Blue« wurde 2007 in Deutschland und Österreich direkt vergoldet – Charts-kompatibel produziert, irgendwo zwischen Hiphop, Dance und Pop. Ein weiteres Album folgte, sechs Songs hatte er zwischen 2007 und 2008 in den deutschen Single-Charts. Im Frühsommer 2017 brachte er seine bislang letzte Single »#Schütteln« raus, an deren eher bescheidenen Erfolg sich so ein wenig Fluch und Segen der eigenen Biografie festmachen lässt: Wäre der Song nicht von Jimi Blue, sondern von Deichkind gewesen, wer weiß. Es scheint ihm wenig auszumachen. Überhaupt beeindruckt Jimi. Es wirkt so, als dass er die unterschiedlichen Dinge, die er macht, gerne und absolut bewusst und authentisch angeht. Er wirkt nicht getrieben von Erfolgshunger oder Eitelkeit. Für seine Eigenproduktion der Kinderwissens-Show »Cartoon Network Checker« gewann er den MIRA Award 2014 und wurde zudem für seine Moderation mit dem Kinder-Medien-Preis „Der weiße Elefant“ ausgezeichnet. Daneben immer wieder TV-Rollen, dann 2016 an der Seite von Wotan Wilke Möhring und Mina Tander wieder Kino mit der Komödie »Seitenwechsel«. Mal modelt er wie für S. Oliver und Riani, mal tanzt er durchaus talentiert und sympathisch trotz Mittelfußbruch bei „Let`s Dance“ (RTL) oder bringt mit »Racks&Rookies« seine eigene Streetwear-Kollektion auf den Markt.

»Uns in der Familie war es immer sehr wichtig, dass zuhause gekocht wird, dass die ganze Familie am Tisch zusammensitzt und gemeinsam isst, weil wir relativ oft getrennt waren.“

Wenn „normal“ eben „supercrazy“ ist Man landet mit ihm automatisch beim »Du«. Er plaudert nicht nur professionell im x-ten Interview über Projekte und Arbeit oder promotet sich notorisch selbst. Nein, er interagiert – und das ergibt dann an historischer Stelle des früheren Bischofshofs in Worms ein echtes Gespräch. Ja, er sieht gut aus. Baut aber nicht darauf. Auch nicht auf den Nachnamen. Und ja, er ist verblüffend »normal«. Witzig. Jimi zeigt bei seinen Erfolgen, aber auch medialen Spitzen gegen ihn, eine erstaunliche Bodenhaftung. Wie war es, als Teil der Familie Ochsenknecht aufzuwachsen? »Meine Familie ist schon generell supercrazy«, gibt er freimütig zu. »Wir haben alle eine kleine Schraube locker – aber sehr viel Spaß. Für uns ist das ganz normales Familienleben in unseren Berufen – und wir unterstützen einander, wo es geht.« Es sei selten, dass mal alle Zeit fänden für die ganz große Runde. Die Eltern leben schon lange getrennt, Schwester Cheyenne ist wie Mutter Natascha Model, der ältere Bruder Wilson Gonzalez wie Vater und Bruder Schauspieler und Sänger. Viel Bewegung eben im Hause Ochsenknecht. Nur keine Angst Jimi mag Herausforderungen. So packte er auch seine Interpretation des großmäuligen Siegfried-Sohns Gunter bei den Nibelungenfestspielen an, der im Stück spektakulär verbrannt wird. Er selbst neigt nicht zum Großmäuligen. Strahlt eher er ein stabiles Selbstvertrauen aus, nimmt die Dinge ernst, die er angeht. Seine Finalteilnahme bei der Show »Let‘s Dance« scheiterte vermutlich lediglich am Verletzungspech. Das Publikum hatte er mit seiner höflichen, offenen Art zu jenem Zeitpunkt bereits für sich gewonnen. Auch das Neuland „Theater“ hat er in Worms gewohnt locker betreten. Angstfrei. Er lässt sich coachen, übt, springt ins kalte Wasser und schaut eben, wie es läuft. »Das liegt daran, dass mein Hobby mein Beruf ist und ich keine Angst vor meinen Hobbies habe«, beschreibt es Jimi. »Ich versuche einfach, das Beste daraus mitzunehmen. Klar habe ich im Leben vor manchen Dingen auch mal Angst. Aber an dem, was ich beruflich mache, habe ich Spaß!« Kochen ist Familie und Ruhe Mode, Schauspiel, Musik, Tanz, Modeln – und aktuell sein erstes Kochbuch: es könnte schnell auch nach Selbstüberschätzung oder Dauervermarktung aussehen. Jimi aber wirkt glaubhaft darin, all diese Dinge aus ehrlichem Interesse heraus zu machen. »Ja, ich koche fast jeden Tag,« sagt er und entspannt kurz seinen Nacken. »Uns in der Familie war es immer sehr wichtig, dass zuhause gekocht wird, dass die ganze Familie am Tisch zusammensitzt und gemeinsam isst, weil wir relativ oft getrennt waren.“ In seinem Kochbuch gibt es die Kategorie »Family and Friends“. Fürs Kochen unter Zeitdruck? »Quick and Healthy«. Das Buch kommt buchstäblich bekömmlich daher. Viele Lieblingsgerichte, selbst Tipps zum Kennenlern-Menü mit den Eltern der neuen Freundin sind vorhanden. „Es soll eine gute Mischung sein. Ein paar Geheimrezepte, die easy zu machen sind, aber eben auch sehr lecker schmecken. Und dann wiederum Gerichte, die sich erst einmal teuer anhören – getrüffelte Pasta zum Beispiel – oder aufwändig wie Fisch in Salzkruste“. Die seien nicht viel komplizierter und trotzdem noch bezahlbar. „Der Fisch dauert nur lang, bis er im Ofen fertig wird“, lacht er. Als was sieht er sich momentan? Nannte er vor ein paar Jahren noch Film und Musik neben, augenzwinkernd, dem obligatorischen Weltfrieden als seine primären Ambitionen, so ist es heute ganz klar die Schauspielerei: »Wir haben das in der Familie gelebt, wir sind damit aufgewachsen. Schon als wir unseren Vater am Set besuchten, in Afrika oder Amerika, fanden wir das cool. Die Wilden Kerle 1 war mein erster eigener Film. Da habe ich gemerkt, das will ich weitermachen.« In seinem Schauspiel gehe es ihm darum, verschiedene Rollen zu verkörpern und nicht um die öffentliche Wahrnehmung, die mit dem Beruf einhergeht, sagt er. Ein neuer Fernsehfilm steht demnächst an, dazu kommt eine Tour mit dem Kochbuch durch ganz Deutschland. Außerdem plant er eine eigene Kochshow auf YouTube. Das Thema Wein ist auch eines, dass ihm Spaß macht, sagt er. Wie man im Wormser Produktionsumfeld hören konnte, waren die Partys in Jimis Quartier während der Nibelungenfestspiele legendär. Seiner Gastgeberstadt spendete er spontan zwei Parkbänke für das Wormser »Wäldchen«, wo er mit seiner Golden-Retriever-Hündin »Chloe« zahllose Runden drehte. Am nahen Rhein konnte man ihm beim Wakeboarden sehen. Er nimmt Dinge an und auf, schaut sich um. Wenn er zuweilen mal Ruhe und Konzentration braucht, hilft ihm Musik. »Klassische Musik höre ich gerne. Mein Vater hat uns früher zu klassischer Musik zur Schule gefahren. Und ich genieße das Runterkommen beim Kochen. Da kann ich Musik hören und einfach etwas für mich ausprobieren.“ Teil dieses Privatlebens könnte ja auch eine Beziehung sein!? „Sehr subtil!“ Er lacht. »Momentan habe ich meinen Kopf mehr bei der Arbeit,« sagt er dann. »Aber wenn die Frau meines Lebens durch die Tür kommt, bin ich nicht abgeneigt. Ich bin nicht auf der Suche, aber wenn‘s passiert, passiert’s.«

„Bin reifer geworden“
Der frühe Ruhm, die Prominenz: “Mit 14, 15 ist mir das alles mal ein bisschen zu Kopf gestiegen“, gibt er offen zu. Wen mag es verwundern, wenn man plötzlich zum „Bravo“-Fanliebling wird und halb Teenie-Deutschland hysterisch kreischt. Aber das sei gar nicht so schlimm, reflektiert er. Man lerne eben daraus. „Mittlerweile bin ich reifer geworden und gehe mit meiner Bekanntheit anders um. Sie gehört einfach dazu. Würden mich die Leute nicht supporten, könnte ich auch nicht das machen, was mich interessiert.« Wie ist das, der Mangel an Privatsphäre, Selfie-Wünsche, Getuschel oder auch Beleidigungen? »Ganz normal,« sagt Jimi. Er kennt es ja kaum anders. »Wenn man mit dem Auto an der Ampel steht, winkt einem aber auch schon mal einer von der Eisdiele nebenan zu. Das ist doch sehr sympathisch!«
Die Tattoos auf seinen Armen verbinden ihn mit Zuhause. Die Herzen habe er sich für seine Schwester und seinen Hund stechen lassen. „Die Brezel kam dazu, als ich von München nach Berlin gezogen bin. Meine Mutter hat sich diese Brezel am selben Tag stechen lassen.“ So trägt er seine Erdung immer mit am Körper. Vielleicht auch deshalb, damit nicht nochmal etwas passiert, das ihm die Luft nehmen könnte wie bei seiner Geburt. Es ist ja so eine Sache mit der Nabelschnur: Sie befähigt uns erstmal zum Leben – und doch müssen wir alle sie kappen.

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