Der Kalligraph.

Frank Fath

Text: Marcel Heinen

Foto: Fernando Fath

Schon über 30 Jahre arbeitet Frank Fath als bundesweit einziger städtisch festangestellter Kalligraph für die Stadt Mannheim. Unter anderem ist er für die Gestaltung des Goldenen Buchs der Stadt verantwortlich. Einige seiner Arbeiten haben es bereits in der Sammlung der Akademie der Künste in Berlin geschafft.

Der gebürtige Odenwälder hat es in seinem Metier zu internationaler Bekanntheit gebracht und seine Werke wurden in diversen renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht. Alles gute Gründe, ihm in seinem Atelier in Heddesheim mal über die Schulter zu schauen.

»Kalligraphie ist für mich ein Tanz – ich bewege mich zu Rhythmus und Takt, den die Texte und der Klang der Worte in mir erzeugen.«

Ist Kalligraphie eigentlich Kunst oder Handwerk? 

Für die einen ist es Kunst, für die anderen ist es ein Handwerk oder gar Kunsthandwerk. (lächelt) Wenn es jemandem gefällt, was ich mache, kann er es gerne bei mir erwerben. Ich mache es, weil ich es liebe! Daher ist es mir egal, ob es als Handwerk oder Kunst angesehen wird.

 

Was ist für Dich Kalligraphie? 

Ursprünglich ist die Schrift entstanden, um Wissen zu vermitteln. Aber die Linie an sich muss gar nicht mehr transportieren außer ein Gefühl. Die Schrift hat sich befreit über die vielen Jahre seit ihrer Entstehung und von ihrem ursprünglichen Auftrag. Sie kann, sie muss nichts. Als Kalligraph schreibe ich naturgemäß, versuche dabei, eine schöne Linie auf das Blatt bringen. Aber es wäre völlig falsch, Kalligraphie mit schönem Schreiben zu verbinden. Hierzu gibt es eine wunderbare Anekdote: Wir waren zum Abschluss meiner Kalligraphie-Lehre in einem griechischen Restaurant essen und die Inhaberin sagte: »Das, was Sie da machen, ist griechisch – Kalligraphie. Kalós heißt gut.« Genau das ist es! Es muss gut sein, es muss nicht schön sein. Über Schönheit kann man sowieso streiten (lacht). Wenn ich zum Beispiel ein Gedicht des Dichters Dylan Thomas lese oder eine Rezitation höre, nehme ich die Emotionen und den Klang des Gedichtes auf. Dann schreibe ich die Worte des Gedichtes, aber keiner muss es am Ende lesen können. Hier geht es rein um das Gefühl. Kalligraphie ist für mich ein Tanz – ich bewege mich zu Rhythmus und Takt, den die Texte und der Klang der Worte in mir erzeugen. 

 

Wie sieht Dein Arbeiten aus? Wie muss man sich den Prozess vorstellen? 

Natürlich muss ich kreativ sein, aber ich kann mich nicht einfach hinsetzen und sagen: Ja, das mache ich jetzt mal, das wird schon werden. Erst fang ich immer an zu skribbeln und dann, irgendwann, entsteht etwas. Wo genau das herkommt, kann ich gar nicht erklären oder beschreiben. Natürlich gibt es die sogenannte Muse, aber die muss sich halt auch beim Arbeiten finden. Es nützt nichts zu warten, bis irgendeine Eingebung kommt. Man sollte bewusst anfangen und sich mit dem Thema auseinandersetzen. Ich bin niemand, der sehr konzeptionell arbeitet. Ich weiß ungefähr, wo ich hinmöchte und dann lass ich mich treiben. Wenn man mit verschiedenen Hintergründen arbeitet, ist es auch Aktion und Reaktion, da man immer darauf eingeht, was sich gerade entwickelt und dir entgegenkommt. Manchmal wiederum kommt es auch vor, dass man die ursprüngliche Idee komplett verwirft und sich auf das Neuentstandene einlässt.

 

Wie lässt Du Dich inspirieren? 

Durch Worte, die mich berühren. Seien es Passagen aus der Prosa, die man hervorheben möchte. Aber vor allem Lyrik. Das Verdichten ist es, das mich fasziniert – und im Grunde verdichte ich durch die Kalligraphie nochmal mehr und suche die Essenz der Worte. Natürlich schaut man sich auch Arbeiten seiner Kollegen oder zum Beispiel auch Tags einiger Graffiti-Künstler. Es geht nicht um Beeinflussung, sondern darum, sich wirklich inspirieren zu lassen. Inspiration ist das Leben an sich – der Moment, Worte… 

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