Fatos Rukiqi.

Wohnkultur im Portrait: Benchmark RE Group

Text: Jan Zeller

Foto: Marina Terechov

Manche Dinge lassen sich mit einem Handgriff erledigen, andere Dinge erklärt man am besten anhand eines Handgriffs. Die Umbau- und Gestaltungsmaßnahmen in der 1895 erbauten Villa Deen, an einem Hang gelegen unweit des Zentrums von Sinsheim, gewähren einen Einblick in die Haltung und Detailgenauigkeit, die Projektentwickler Fatos Rukiqi und sein Team auszeichnen. Imposant an einem Hang gelegen unweit des Zentrums von Sinsheim, realisiert der 36-Jährige gerade die perfekte architektonische Symbiose aus historischer Bausubstanz und hochmodernen Wohnansprüchen.

In den Räumen des ehrwürdigen Herrenhauses dominiert der Jugendstil des ausgehenden 19. Jahrhunderts: Türrahmen, Dielenböden, Dekor und Formsprache im Treppenhaus wie den Wohnräumen. Was erhaltenswert, funktionstüchtig und zu integrieren ist, erweitert das Team von Benchmark RE Group, ein Tochterunternehmen der Onigkeit Holdings. So entstehen innenarchitektonische Annehmlichkeiten und jener Komfort, der zeitgenössisches Wohnen und Leben so spannend und faszinierend macht. Keine berechnend kühle Demontage erfahren die Gemäuer aus der Gründerzeit. Vielmehr geht es um Bewahrung und Aufwertung. Es kommt nicht von ungefähr, dass Rukiqi jedem seiner Projekte einen eigenen Namen gibt, sie personalisiert. Es sei gleichsam eine Frage des Respekts für ihn, die er diesen schulde, beschreibt es der studierte Immobilienwirt. „Immobilienmanufaktur“ ist demnach auch der passendere Begriff für sein Unternehmen – in der Tat offenbaren die eigens von ihm für die Villa Deen entwickelten Messingtürgriffe jene Liebe für Akzente und feine Details, einer Manufaktur gleich. Mit einem Handgriff kann der Besucher sich von der Richtigkeit dieser Entscheidung für hochwertiges Messing und adaptierte Designsprache selbst überzeugen. Es gäbe weitaus günstigere und weniger aufwendigere Lösungen am Markt. Doch Rukiqi wählt seine Grundstücke und gestaltet seine Bauvorhaben und Objekte nicht nach dem Gießkannenprinzip. „Jedes Grundstück, jedes Haus hat eine eigene Seele. Ein Haus ist nicht nur ein Produkt. Es ist ein Ort des Wohlfühlens, der Sicherheit. Vor allem aber soll es immer aufs Neue Spaß machen, nach Hause zu kommen!“

Was reizt Dich an Deinem Beruf, Fatos?

Irgendwie hat sich das von klein auf stetig entwickelt. Grundstücke wahrzunehmen, sie zu lokalisieren, über Nutzungen und Bebauungen zu phantasieren, später dann eben auch zu akquirieren … all das fand ich immer schon reizvoll. Genau wohin damit, wusste ich als Kind damals natürlich noch nicht. Aber mir klar: Mit den Thema Immobilien werde ich mal was zu tun haben. Nach dem Studium habe ich dann den Markt erstmal als Angestellter großer Konzerne beobachtet, bevor nach zwei Jahren die Selbständigkeit folgte. Ich habe ganz klein begonnen. Für die erste Wohnung, die ich gekauft habe, standen damals 89 000 Euro zu Buche. Nach der Renovierung habe ich sie dann für 199 000 Euro verkaufen können. Und so ging es dann los.

 

Du bezeichnest die Benchmark RE Group als Immobilienmanufaktur. Warum?

Im Grunde ist es dieses Zusammenspiel der Dinge und die Art, wie wir arbeiten, die für mich am besten sich in dem Begriff Manufaktur widerspiegeln. Handel und Entwicklung, aber eben auch die Leidenschaft für Ausstattung, Architektur und Qualität. Wir machen keine Massenobjekte. Auch keinen klassischen Wohnungsbau, um lediglich Fläche zu generieren und diese dann möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Wir gehen bewusst den anderen Weg: Top-Grundstücke, sehr gute Lagen, die dann mit anspruchsvoller Architektur aufgewertet werden. Zudem statten wir sämtliche Wohnungen komplett selbst aus. Gebaut wird auf eigene Rechnung. Erst wird fertiggestellt, dann erfolgt die Vermarktung. Das ist branchenunüblich, wo in der Regel zuerst verkauft wird, um sich zu refinanzieren. Unser Modell macht uns freier und unabhängiger – und lässt uns als Manufaktur mehr kreativen Spielraum.

 

Bei euch kommt es auch mal vor, dass ihr ein Grundstück über sechs, sieben Jahre ruhen lasst. Warum?

Das stimmt. Und die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein, dienen aber zuallererst der Qualität des Projekts. Im Grunde geht es immer um den optimalen Konsens – ob nun in der Entwicklung des Objekts oder im Umgang mit Gemeinden, kommunalen Entscheidungsträgern oder in Fragen wie beispielsweise des Denkmalschutzes. Wir haben aber die Kraft, auch eine längere Zeit für ein besseres Endergebnis in Anspruch nehmen zu können. Es geht im die bestmögliche Lösung für die Bebauung wie für den Kunden. 

Grundstücke wahrzunehmen, sie zu lokalisieren, über Nutzungen und Bebauungen zu phantasieren, später dann eben auch zu akquirieren - all das fand ich immer schon reizvoll.

VILLA DEEN, Sinsheim

Besonderes, bewusst eingesetztes Design sorgt dann eben auch für ein außergewöhnliches und individuelles Wohnen.

Wie stehst Du persönlich wie beruflich zu Design und Interior? 

Ich finde beides ungemein spannend. Etwas Formvollendetes hat eine unglaublich klare und auch beruhigende Wirkung. Wir besuchen jedes Jahr die Möbelmesse in Mailand, schauen uns um, treffen unsere aktuellen Hersteller – und lernen neue, interessante, kennen. Privat hält bei uns die ganze Familie im Urlaub schon immer unbewusst Ausschau. Jedes Hotel wird da im Kopf sofort in seine innenarchitektonischen Bestandteile zerlegt. Das Interesse an Produkten und ihrem Design ist ein stetig sich formender Prozess. Bei der Ausstattung unserer Immobilien arbeiten wir eng mit verschiedenen, hochwertigen Herstellen wie beispielsweise Bulthaupt zusammen. Besonderes, bewusst eingesetztes Design sorgt dann eben auch für ein außergewöhnliches und individuelles Wohnen. Bei den NeckarResidences hat uns das Feedback unserer Kunden hierfür belohnt – und ist zugleich eine sehr schöne Bestätigung unseres Ansatzes. 

 

Konkret: einen Wohntrend wie Smart Living, intelligentes Wohnen im digitalen Zuhause …

… behalten wir im Auge. Das Thema Intelligent Homes ist sicher spannend. Aber ich finde hier auch nachhaltigere, langfristigere Aspekte wichtig: Kann der Elektriker in der Nähe die Wartung leisten – oder wird´s unnötig aufwendig und teurer? Ist die Technik schon so weit ausgereift, dass ihre Lebensdauer auch im Verhältnis zum Preis steht? Wir bleiben tatsächlich da bislang eher klassisch und entscheiden anhand des Faktischen und zu Gunsten der, in der jeweiligen Situation, besten Option. 

 

Ein Beispiel für Deine Spielfreude, wenn es um die Ausstattung eurer Objekte geht?

In Mailand habe ich einen Fliesenhersteller kennengelernt, der damals gerade unglaublich tolle Badfliesen nach dem Design von Armani exklusiv für das Armani Hotel Milano hergestellt hatte. Und ich wollte diese Fliesen unbedingt auch haben. Also habe ich vier Tage lang immer wieder mit allen möglichen Ansprechpartnern vor Ort in Italien telefoniert, bis sie mir schließlich 30 Quadratmeter Restfliesen verkauft haben. Ich glaube ja, sie haben mir die Fliesen letztlich nur gegeben, damit ich nicht mehr anrufe. Aber so konnten wir in der Penthouse-Wohnung der NeckarResidences echten Mailänder Armani-Flair an die Wand bringen. 

 

Wie schätzt Du aktuell den deutschen Immobilienmarkt ein? Wie stellt sich die Lage für euch dar?

Trotz Corona-bedingter Krise verzeichnet der Wohnimmobilienmarkt weiterhin einen positiven Trend. Ich denke, die Menschen nehmen ihr Zuhause sogar bewusster wahr als einen Ort des Halts – aber eben auch der Freude. Schlechte Lagen werden zukünftig eher weniger stark gefragt sein, da hier gerade überproportional viele Immobilien auf den Markt kommen. Gewerbeimmobilien wiederum, auch umnutzungstechnisch, werden eine massive Veränderung erleben. Unser Marktsegment des gehobenen Wohnluxusbaus bleibt da indes gleichbleibend gefragt. Mietanfragen sind vorhanden bei uns, was sich sicherlich verändert, ist der Entscheidungsfindungsprozess bei manchen Kunden aktuell. Da spielen natürlich die gesamtwirtschaftlichen Veränderungen des letzten Jahres mit rein. 

 

Wie bewertest Du die Metropolregion und auch das Kraichgau hinsichtlich der Nachfrage nach hochwertigen Wohnimmobilien?

Ob im Kraichgau, rund um Sinsheim, Heidelberg, in Weinheim oder auch Mannheim: man findet hier tolle und besondere Ecken mit spannenden Lagen und Immobilien. Die ganze Region ist so dynamisch wie vielseitig – und für das, was sie faktisch an Lebensqualität, Wirtschaftskraft, aber auch in Bezug auf Freizeit-, Sport- oder Kulturangeboten bietet, sogar eher noch unterbewertet. In meinen Augen sind wir hier in bestimmten Immobiliensegmenten sogar unterversorgt – und die Region ist sich seiner Potenziale noch gar nicht so bewusst. Ich sehe den Markt hier weiter im Kommen. Die starken Konzerne und DAX-Unternehmen vor Ort, niedrige Arbeitslosigkeit, viel Natur und Kulinarik neben den vorhandenen Annehmlichkeiten der Urbanität der Großstädte Mannheim und Heidelberg: alles starke Argumente für Interessenten und Kunden, sich mit unserer Region hier auch immobilientechnisch zu beschäftigen.

Wohnbauprojekt: Merianstraße, Sinsheim

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